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Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA
Abteilung: Periodika des Neoanarchismus
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DadA-Periodika, Dok.-Nr.: P2-P0001090

telegraph

Untertitel: Aktuelle Blätter der Umweltbibliothek Berlin; Aus dem demokratischen Sektor Berlins. Wöchentliches Informationsblatt; Nachfolgezeitschrift der Umweltblätter - Unterdrückte Nachrichten, Kommentare, Diskussionen, Termine; Unabhängig und behördenunfreundlich; Ostdeutsche Quartalsschrift
Herausgeber: Umwelt-Bibliothek Berlin e.V.
Redaktion: Wolfgang Rüddenklau (V.i.S.d.P.)
Körperschaften: Umwelt-Bibliothek Berlin e.V.
Ort: Berlin <Ost>
Land: Deutschland <DDR>; Deutschland <Bundesrepublik>
Erscheinungszeitraum: Jg.1 (1989), Nr.1 (10. Okt.) -
Erscheinungsweise: wöchentlich; zwei- bis dreiwöchentlich; monatlich; unregelmäßig
Auflage: 1500 auf 6000
Typographie: Offset, die Internet-Ausgabe erscheint ab 1996 etwa monatlich, parallel zur Papierausgabe
Format: DIN A4, ca. 10 S. (1989); DIN A5, zwischen ca. 10 - 100 S.
Vorgänger: Umweltblätter
Bemerkungen: Der "telegraph" erschien schon zu Zeiten der DDR und kann dem linken Flügel der Bürgerbewegung zugeordnet werden. Wie die Vorgängerzeitschrift "Umweltblätter" (s. dort) versuchte auch der telegraph "eine unaufdringliche anarchistische Haltung" zu vermitteln. (Rüddenklau: Behörden und unternehmerunfreundlich... - In: telegraf (1994), Nr.9, S.16)
Selbstdarstellung im Internet
(1996, http://www.inx.de/~ruedden/telefaq.htm):
"Was ist der telegraph?
Der 'telegraph' ist eine Zeitschrift, die aus der DDR-Bürgerrechtsbewegung kommt. Es ist die letzte erhaltene Zeitschrift dieser untergegangenen Bewegung. Er vertritt deren linken Flügel. Westdeutsche und westeuropäische Begriffe wie 'radikale Linke' passen uns nicht so richtig. 'Anarchismus' ist ein Etikett, unter dem die widersprüchlichsten Auffassungen vertreten werden. Der Begriff Basisdemokratie wurde schon zu oft mißbraucht. Der 'telegraph' versucht die Erfahrungen mit dem stalinistischen System weiterzugeben, gleichzeitig aber eine Kritik am modernen Kapitalismus zu formulieren.
Die elektronische Ausgabe des 'telegraph' [ersch. ab 1996] ist also kein linkes E-Zine im üblichen Sinne, keine Flugblattsammlung, sondern eine politische Plattform.
Geschichte der Zeitschrift
1986 wurden die Zeitschrift als Blatt der Umwelt-Bibliothek Berlin gegründet. Die 'Umweltblätter', wie die Zeitschrift damals hieß, nutzte in einem Land, in dem keine unabhängige Zeitschrift erscheinen durfte, die Sonderdruckgenehmigung der Evangelischen Kirchen in der DDR. Unter anderem deshalb kam es im November 1987 zu einem Überfall des Staatssicherheitsdienstes auf die Umwelt-Bibliothek. Wegen landesweiter Protestaktionen mußten die Verhafteten nach wenigen Tagen freigelassen werden. Seitdem waren die 'Umweltblätter' das verbreitetste Nachrichtenmagazin der DDR-Opposition. Sie wurden im Keller eines Pfarrhauses auf primitiven Druckmaschinen (Wachsmatrize) hergestellt. Seit 1988 wurden sie allerdings auf dem Computer, einem Amiga 500, produziert.
Während der Massenproteste im Oktober 1989 erschienen die 'Umweltbätter' unter dem neuen Namen 'telegraph' in Abständen von wenigen Tagen weiter. Der 'telegraph' war das einzige unabhängige Blatt, das die Wende in der DDR von Seiten der Opposition begleitete.
Seitdem und im Zuge des allgemeinen Niedergangs von eigenständiger Opposition in Ostdeutschland hat Auflagenhöhe und Verbreitung des 'telegraph' deutlich abgenommen. Es gibt uns aber noch und wir senden Monat für Monat unsere Botschaft in die stark gelichteten Zuschauerreihen."
Mit der Nr.1 aus 1998 "geht der telegraf in eine neue Runde. [...] Nach einem Jahr schöpferische Pause wird der telegraph zur 'ostdeutschen quartalsschrift'. [...] Er wird wieder, verstärkt durch eine selbstbewußte Ost-Position, zeigen, daß es eine selbstdenkende, parteiunabhängige Opposition jenseits von Stasi-Paranoia und gekauften 'Bürgerrechtlern' gibt.
Der telegraph wird damit stärker zum Forum für linke Ansätze im magischen Dreieck von PDS, Bürgerbewegung und Autonomen. 'Osten' soll als politischer Ausgangspunkt qualifiziert, die Querbezüge verschiedenster sozialer Bewegungen in der Ex-DDR verstärken. Thematisch immer wiederkehrende Fluchtlinien werden dabei DDR-Opposition, Kolonialisierung und die soziale Frage sein." (Nr.1, 1998)
Bis 2011 wurden 120 (Nr.122/123) reguläre Ausgaben, mehrere Flugblätter, Notausgaben und 3 Sonderausgaben veröffentlicht.
"telegraph_archiv
Das Archiv beschränkt sich derzeit [2011] auf die Jahrgänge ab 1998. Schritt für Schritt werden die restlichen Jahrgänge des telegraphs bis zum Jahr 1989 ins Netz gestellt werden."
"Täglich frische Informationen aus der Redaktion telegraph finden" sich außerdem im OST:BLOG http://www.ostblog.de/ .
"17:17 08.01.2010, A.S.H., kultur, OST:BLOG Nein, wir sind nicht auf die Cocos Islands gezogen. Wir wollen den telegraph voraussichtlich auf die Creative Commons-Lizenzen umstellen. Da macht sich das cc im Domainnamen ganz gut. Heute nun hat uns der freundliche Domain-Händler James Hu (www.namesengine.com, "a place to buy cheap and premium domain name") für ein paar US-Dollar die Domain telegraph.cc überlassen.
Damit steht jetzt einem relaunch von www.telegraph.ostbuero.de in diesem Jahr wohl nichts mehr im Wege. Nach 12 Jahren wird das auch langsam Zeit. Und das nun schon sieben Jahre alte Ostblog-Design nehmen wir uns dann gleich mit vor. Versprochen."
Die neue Website ist als Blog eingerichtet, wobei eine Kommentarfuktion nicht vorgesehen ist. Die Eintrage gehen zurück bis November 2014 (damit vermutlich der Start dieser Seite). Von der alten Internetadresse wird auf die neue Domain umgeleitet.
Die Seite enthält neben den Inhaltsverzeichnissen des telegraphs News zu aktuellen Themen. Von einigen älteren Ausgaben im Archiv sind die Artikel teilweise zum Volltext verlinkt. Zwei Ausgaben können komplett als PDF heruntergeladen werden. Es gibt RSS-Angebote sowie Hinweise auf Aktivitäten bei Facebook, Google+ und Twitter.
Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Telegraph_(Zeitschrift)

Internet: http://telegraph.cc/
Standort: IDA Amsterdam: SIGN.: ZO 41424 id; AGB Berlin: 1989 - (L) : SIGN.: B 140/9; BdF Berlin: siehe ZDB; BFU Berlin: 1990 - 1995 : 28/45/67(1) u. 1989 (als Repr. 1992); UBH Berlin: 1992 - 1996 : SIGN.: PA 5667; SBPK-PS Berlin: 1993 - (Bestand bis 1995 geprueft) : SIGN.: Zsn 86520 u. 1989 (Repr. 1992) : Aa 817; SBPK-UL Berlin: 1989 - 1992 : SIGN.: +6/+44 PA 79; ZLB Berlin: 1990,2 - 1997,1; 1998 - : ZA 764; FES Bonn: 1989,10 - (L=1990) : SIGN.: X 5573; SUB Bremen: 1990 - : SIGN.: / fe 7999 - Beil. zu 1992 (eingebunden) : SIGN.: / fe 7999; IZF Dortmund: 1990,1 - 1993,12 : IZs 90/38; LB Dresden: 1991 - u. Sonderausg. zu 1992 : SIGN.: Y. 8. 5543; AFAS Duisburg: 1989,9, 1990,1-17, 1991,1-12, 1992,1-12 Extra Mai, 1993,1-12, 1994,1-12, 1995,1-11/12. Notausg. Sept., 1996,2/3 - : SIGN.: 82.III.24; SUB Frankfurt a.M..: 1.1989 - : Zs 404; ASB Freiburg/Brg.: 1990 -; NLB Hannover: 1990 - : Z 674; LB Karlsruhe: 1989,1-9 (Repr. 1992 in Bd. 3 von Umweltblaetter) : SIGN.: +in+ 92 B 1275 / OM; TtE Köln: 1989: 2-3, 8-9, 1990: 3, 6-8, 10-17, 1991: 1-12, 1992: 1/2-12, 1993: 1-12, 1994: 1-7, 9-12, 1995: 1-11/12, 1996: Notausgabe (Febr), 2/3-10, 1997: 1-2, 1998: 1-2, Sonderheft: Gregor Gysi (1992); DBZ Stuttgart: 1989 - : SIGN.: DZ 674
ZDB-Ident.: 1023462-7
Literaturhinweise: Atzert, S.83-84; Drücke: Zwischen, S.123-126; Die Krise der autonomen Medien, S.4; Die Politische Aura des feuchten Kellers ist dahin. - In: TAZ-BERLIN Nr. 3535, Seite 28 vom 16.10.1991; Rada, Uwe: Von der Zionskirche nach Chiapas. - In: TAZ-BERLIN Nr. 5013, Seite 23 vom 29.08.1996; Rüddenklau: Störenfried
Bibliographien: Drücke: Zwischen, Nr.1/16; Verzeichnis der Alternativmedien 1997/98; 20 Jahre radikal, S.195
Publikationsform: Zeitschrift; Medienkombination, Blog
Libertärer Bezug: libertäre Inhalte; anarchistische Tendenzen
Bearbeitungsstand: 28.07.2020 | Bearbeiter: gh

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