Bibliothek der Freien
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Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA
Abteilung: Periodika des Neoanarchismus
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DadA-Periodika, Dok.-Nr.: P2-P0000943

MEGAPHON

Untertitel: Autonome Wochenzeitung; Programmzeitung Bern Reithalle; Zeitung aus der REITHALLE Bern mit Programm (Nr.174)
Nebentitel: megafon
Herausgeber: Reithallen-Kollektiv
Körperschaften: Reithallen-Kollektiv, Bern
Druck: AG Druck und Photo Reithalle
Ort: Bern
Land: Schweiz
Erscheinungszeitraum: Jg.1 (1987), Nr.1 (26. Nov.) -
Erscheinungsweise: wöchentlich; zweiwöchentlich; monatlich
Auflage: 500 auf 800; 1300
Preis: Spende; 3,- SFr; Abo 54 SFr.
Typographie: Offset; HTML
Format: DIN A5 Übergröße; DIN A4
Bemerkungen: "m - eine Stadt hat ihre Zeitung
Das erste megaphon erschien am 26. November 1987, einige Tage nach der Räumung des Zaffaraya. Tausende von Menschen solidarisierten sich mit dem Zaffaraya und forderten autonome Freiräume, wie die Reitschule [auch: Reithalle], die einige Wochen zuvor wiederbesetzt worden ist. Eine solche Bewegung braucht natürlich ein Sprachrohr - ein megaphon - um die Ideen und Hintergründe zu vermitteln. Die Berner Bewegungszeitungen der frühen 80er Jahren, zuerst der Drahtzieher, dann die Provinz sind beide nach einigen Jahren wieder eingegangen.
Das megafon erscheint jetzt bereits im 11. Jahrgang, ist der Kinderstube entwachsen und kommt langsam ins Teenageralter (deshalb die Foto-Love-Story in der Nr. 192 zum zehnjährigen Geburtstag). Dass dem megafon nicht dasselbe Schicksal blühte wie seinen Vorgängerinnen in den 80er Jahren, verdankt es sicher dem Eingebettetsein in der Reitschule. Die Reitschule bietet dem megafon kostenlose Büroräume, Subventionen durch den Getränkeverkauf, eine günstige Druckmöglichkeit, die Mithilfe der Arbeitsgruppen beim Zusammentragen, Heften und Versand, etc. Ohne diese günstigen Bedingungen kann eine unabhängige werbefreie Zeitung wie das megafon kaum 10 Jahreüberleben.
Zu Beginn erschien das megaphon noch wöchentlich als Sprachrohr der Bewegung, die sich in der Reitschule etablierte. Es wurde hauptsächlich unter den Reithalle-BesucherInnen und auf der Strasse verteilt, doch schon bald konnte man/frau es abonnieren und es stiess auch ausserhalb der Region Bern auf reges Interesse. 1992 modernisierte sich das damals serbelnde mittlerweile 2-wöchentlich erscheinende megaphon, indem das "ph" durch das "f" ersetzt wurde, die Redaktion und das Format sich vergrösserte und ein Veranstaltungs-Programmteil mit Plakat beigelegt wurde. Seither erscheint das megafon monatlich. Seit etwa zwei Jahren widmet sich jede Nummer einem Schwerpunkt-Thema.
Inhaltlich versteht sich das megafon neben seiner selbstverständlichen Funktion als Sprachrohr der Reitschule, als Medium der ausserparlamentarischen Linken. Dementsprechend ist auch seine Themensetzung. Die erwähnten monatlichen Schwerpunkte stehen vielfach im Zusammenhang mit dem politischen Engagement der megafon-MacherInnen und deren Umfeld. Der Anspruch der Redaktion ist es weiterhin, Gegeninformation zu liefern, kritisch zu kommentieren, was in der bürgerlichen Presse der stillen Zensur der Macht zum Opfer fällt, Missstände hier und anderswo, sowie deren Zusammenhänge aufzuzeigen. Einen zentralen Platz hat stets die Berichterstattung über die Befreiungsbewegungen im Trikont eingenommen. Waren es Ende der 80er Jahre, in der Anfangszeit des megafon, die SandinistInnen in Nicaragua sowie der FMLN in El Salvador, die das Augenmerk der Reitschul-AktivistInnen auf sich zogen und in Form von Brigaden und eben auch publizistisch mit dem megafon unterstützt wurden, so sind es heute die aufständischen ZapatistInnen im Süden Mexikos, über die im megafon regelmässig berichtet wird.
Neben diesen Themen, die auf den internationalistischen Seiten zu finden sind, macht die Rubrik Postfach 7611 einen weiteren wichtigen Teil des Charakters dieser Zeitung aus. Wer mag sich nicht an die über Monate dauernden Forumsdebatteüber die Demo gegen die Zwangsmassnahmen im Jahre '95 erinnern? Als eine der wenigen Zeitungen aus dem linksradikalen Umfeld, vermag das megafon überregionale Diskussionen zu führen und wird auch als entsprechendes Medium genutzt. In der selben Rubrik sind des öfteren Berichte von unseren gefangenen Genossen zu lesen. Ein treuer megafon-Leser und -Schreiber ist Marco Camenisch, der immer noch in den Klauen der italienischen Klassenjustiz gefangengehalten wird. Regelmässig erfährt die megafon-LeserInnenschaft von Marco, was in Italien und speziell in den Knästen abgeht.
Heute hat das megafon eine Auflage von 1300, wovon 1000 an die AbonnentInnen verschickt werden. Gedruckt wird es in der hauseigenen Druckerei. Nach dem Druck kommen die losen Blätter in den Infoladen, wo es zusammengetragen, gefaltet, geheftet und schliesslich mit den Adressklebern für den Versand bereitgestellt wird. Die Verantwortung dafür liegt rotierend bei den verschiedenen Arbeitsgruppen der Reitschule. Die megafon-Redaktion besteht momentan aus ca. 10 Frauen und Männer, die für Inhalt, Layout, Versand, Finanzen, Werbung etc. verantwortlich sind. Das bedeutet viel Arbeit und der einzige Lohn dafür ist, jeden Monat ein neues megafon in der Hand zu halten, sowie Lob und Kritik der LeserInnen. Und, wenn die Zeit dafür nicht zu knapp ist, spannende Diskussionen an den Sitzungen. Also, abonnier das megafon und du bist auf dem Laufenden - nicht nur über das Kulturprogramm der Reitschule." (aus dem Internet vom März 2000, http://www.reitschule.ch/reitschule/megafon/index.shtml)

Internet: http://www.megafon.ch
Standort: IDA Amsterdam: SIGN.: ZK 42660 id; TtE Köln: Nr.61-71, 75, 78-79 (zwei Ausg.), 80-85, 93, 119, 130, 138, 143-148, 151-153, 155-157, 159, 169, 174, 189, 231; CIRA Lausanne: 96-105, 107 ff.
ZDB-Ident.: 2719322-6
Bibliographien: Geronimo (1990), S.245; Kalenda 2000; Verzeichnis der Alternativmedien 1989; Verzeichnis der Alternativmedien 1997/98; 20 Jahre radikal, S.195
Quellen: Autopsie DadA Köln: Nr.119, 130, 174, 274, 284, 287-289, 293, 315, 320-321
Publikationsform: Zeitschrift, Regionalzeitschrift; Medienkombination, Internetseite
Libertärer Bezug: Hausbesetzung; Autonomie; anarchistische Tendenzen
Bearbeitungsstand: 28.07.2020 | Bearbeiter: gh

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