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Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA
Abteilung: Periodika des Neoanarchismus
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DadA-Periodika, Dok.-Nr.: P2-P0000886

KLÜNGELKERL

Untertitel: Dortmunder Volksblatt (Nr.1, 1976 - 9, 1979); Zeitung für Dortmund (Nr.10, 1979 - Juni, 1981); Spaßguerilla für Dortmund (Nr.9, 1981); [ab Nr.10, 1981 wechselnd, z.B.:] Aufnehmer der autonomen Bewegung; Zeitung gegen den digitalen Schwachsinn [u.a.]
Einzeltitel: Freispruch im Fall Balos (Extrablatt, Juni 1978); Geschichtsfest Dortmund '86 (Nr.[107], 1986)
Herausgeber: Redaktionskollektiv
Redaktion: Redaktionskollektiv; H.-J. Overbeck (v.Red. Nr.1, weiter wechselnd); Andreas Müller (mehrere Ausgaben)
Verlag: Selbstverlag
Ort: Dortmund
Land: Deutschland <Bundesrepublik>
Erscheinungszeitraum: Jg.1 (1976) - Jg.11 (1987), Nr.109
Erscheinungsverlauf: Jg.1 (1976), Nr.1 (Nov.), 2 (Dez.)
Jg.2 (1977), Nr.3 (Jan.) - 13 (Dez.)
Jg.3 (1978), Nr.1 (Jan.) - 10 (Dez.) u. Extrablatt [Nr.7 nicht ersch.]
Jg.4 (1979), Nr.1 (Jan.) - 11 (Dez.)
Jg.5 (1980), Nr.1 (Jan.) - (Dez.)
Jg.6 (1981), Ausg. Jan. - Dez.
Jg.7 (1982), Nr.57 (Jan.) - 67 (Dez.)
Jg.8 (1983), Nr.68 (Jan.) - 78 (Dez.)
Jg.9 (1984), Nr.79 (Jan.) - 89 (Dez.)
Jg.10 (1985), Nr.90 (Jan.) - 100 (Dez.), [94 fälschlich als 95]
Jg.11 (1986), Nr.101 (Jan.) - 108 (Nov.), ungezählte Sonderausgabe: Geschichtsfest Dortmund '86) u. Extrablatt
Jg.12 (1987), Nr.[109]

Erscheinungsweise: monatlich; unregelmäßig
Auflage: 1000 - 3000
Preis: 0,50 DM (1976) bis 3,- DM (1986)
Typographie: Offset
Format: DIN A3; DIN A4 (ab Nov., 1979); DIN A5 (Nr.109)
Beilagen: Die Mauer (zeitweise); verschiedene andere, häufig wechselnd
Bemerkungen: Klüngelkerl wird im Dortmunder Dialekt ein Schrotthändler oder Lumpensammler genannt. Der Titel der Zeitschrift knüpft daran an und verweist eindeutig auf ihre Funktion als Sammler "unterbliebener und unterdrückter Meldungen und Berichte, die für die herrschende Presse Schrott bedeuten" (Nr.108, S.2).
Zur Intention der Zeitschrift heißt es in der ersten Nummer auf Seite 1 unter der Überschrift "Neue Zeitung für Dortmund: ...Der KLÜNGELKERL will eine Zeitung von Betroffenen für Betroffene sein und betroffen (z.B. von der Zerstörung der Umwelt) sind wir fast alle oder können es täglich werden. Der KLÜNGELKERL will kritisch informieren und er will Mut machen, nicht zu resignieren, denn: der KLÜNGELKERL ist nicht nur zum Lesen da." Dieses Konzept wurde über die Jahre immer wieder diskutiert und in Frage gestellt, wobei man sich insbesondereüber die Ausrichtung der Zeitschrift als Agitations- oder Diskussionsblatt bzw. Volks- oder Szenezeitung nicht einigen konnte. Im Verlauf ihres zehnjährigen Erscheinens setzte sich mal die eine mal die andere Richtung durch, so machten zum Beispiel Anfang der 80iger Jahre die Hausbesetzer den KLÜNGELKERL zu ihrem Sprachrohr. In der gleichen Zeit schufen sich aber auch andere Bewegungen eigene Organe, die sich schnell zur Konkurenz auswuchsen, zumal sich deren Redaktion nicht selten aus ehemaligen Klüngelkerlredakteuren zusammensetzten. Die Folge war sinkender Absatz der Zeitschrift und schrumpfende Mitarbeiterzahl, die zum Schluß nur noch aus vier sich selbst ausbeutenden Redakteuren bestand. Vor die Wahl gestellt, entweder konsequente Professionalisierung in Richtung "taz" oder Einstellung der Zeitschrift, entschied man sich für das Letztere. Der Abgesang eines Redakteurs unter der Überschrift "Der ganz normale Wahnsinn: Zwischen Wirklichkeit und Traum" (1986, Nr.108, S.9) klingt bitter-wehmütig: "Ein Aufatmen geht zur Zeit durch die verbliebenen Dortmunder Szene-Reste. Die allseits bekannte anarchistische, wirklich unabhängige Underground-Zeitung, genannt Klüngelkerl, ist endlich den Bach runter gegangen. Vorbei die Zeiten, wo man/frau von einem schlechten Gewissen geplagt wurde, weil die 2 DM, die eigentlich für dieses famose Blatt ausgegeben werden sollten, viel lieber in ein kühles Blondes investiert wurden. [...] Trotzdem habe ich noch nicht vergessen, was ich eigentlich will, was wir alle wollen. Der Traum von einem menschlich-fröhlichen-herrschaftslosen Miteinander, der spukt mir noch immer im Kopf herum. Im KK konnte ich diesen Traum beschreiben. Und er ist noch lange nicht aus."

Standort: FES Bonn: 1.1976,Nov. - 10.1986 (L=2, 5-10) : SIGN.: Z 2982; AFAS Duisburg: 1.1976-13.1977, 1978,1-10, 1979,1-11, 1980,1-Dez, 1981,Jan.-Dez., 57.1982-[109.1987] : SIGN.: 9.III.1
ZDB-Ident.: 620173-8
Literaturhinweise: Büteführ, S.184; Müller, Andreas: 10 Jahre Klüngelkerl. Versuch einer Bilanz. - In: Klüngelkerl (1986), Nr.108, S.6-8
Bibliographien: Deutschsprachige Bibliographie der Gegenkultur, S.92; Jenrich, Nr.193; Rösch-Sondermann, S.100
Publikationsform: Zeitschrift, Stadtzeitschrift
Libertärer Bezug: Hausbesetzung; anarchistische Tendenzen
Bearbeitungsstand: 28.07.2020 | Bearbeiter: gh

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