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Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA
Abteilung: Periodika des Neoanarchismus
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DadA-Periodika, Dok.-Nr.: P2-P0000824

INFO BUG

Nebentitel: INFO Undogmatischer Berliner Gruppen INFO UBG (Nr.1); Auflösung von BUG variiert: Bis 179.1977: Berliner Undogmatische Gruppen, 180/81.1977: Berliner Unfassbare Gruppen, 184.1978: Berliner Untixener Gruppen, 187.1978: Berliner Unweigerlicher Gruppen, 188.1978: Berliner Unzählige Gruppen, 189.1978: Berliner Unverfrorene Gruppen, 190.1978: Blues United Generation, 191.1978: Blues Under Ground, 192.1978: Blues Under the Ground; Info blues (Nr.193); Info-Blues (ab Nr.194); Info Spuk (Ende 1978)
Einzeltitel: Dokumentation über das Info Berliner Undogmatischer Gruppen (Sondernr. Nov. 1977, 22 S.); INFO übers INFO, Nr.179
Redaktion: Redaktionskollektiv; Hans Schrank (v.Red.)
Körperschaften: Republikanischer Club, Berlin
Druck: agit druck kollektiv
Ort: Berlin <West>
Land: Deutschland <Bundesrepublik>
Erscheinungszeitraum: Jg.1 (1974) - Jg.5 (1978), 194 Nrn.
Erscheinungsverlauf: Jg.[1] (1974), Nr.1 (4. März) - 38 (30.12.)
Jg.2 (1975), Nr.39 (6.1.) - 87 (Dez.)
Jg.3 (1976), Nr.88 (5.1.) - 137 (20.12.)
Jg.4 (1977), Nr.138 (10.1.) - 179, 179'5, 180, 181 (o. D.), Sondernr. (Nov.)
Jg.5 (1978), Nr.182 (4.1.), 183 + 1005 (10.1.), 184, 185 + 1007 (30.1.), 186 + 1008, 187 - 197 (Okt.) u. Ausg. o. Nr.: Info Spuk (Jahresende)

Erscheinungsweise: wöchentlich; unregelmäßig
Auflage: 1000; 2000 - 3000
Preis: 0,50 DM
Typographie: Offset
Format: DIN A4
Nachfolger: BUG-Info
Bemerkungen: Nach dem Ende der "Agit 883" und der Sponti-Monatszeitschrift "Langer Marsch" sollte mit dem INFO BUG diese Lücke geschlossen werden. Gegründet wurde es 1974 von der Gruppe Undogmatischer Marxisten, die bis dahin das GUM INFO herausgab.
"Im Dezember hatte der LANGE MARSCH zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, um Fragen der Undogmatischen Linken möglichst öffentlich zu diskutieren. Der ersten Veranstaltung folgen nun regelmäßige Treffen jeweils Mittwochs in der FU. [...] Im Unterschied zu den eher langfristigen Konzept des LM machte die GUM Ende Januar konkrete Vorschläge für erste Organisierungsschritte. Ein Vorschlag ist dieses INFO." (INFO Nr.1, 1974)
Entsprechend war das INFO BUG zunächst inhaltlich undogmatisch-marxistisch geprägt. Im weiteren Erscheinungsverlauf wurden aber vermehrt anarchistische Positionen vertreten und es fand eine Auseinandersetzung mit anarchistischen Theorien statt. Nach Binger wurde das INFO BUG zunächst von "auf Selbstorganisation beruhenden Initiativen als anarchistisch missverstanden. Denn in diesen Kreisen wurde eine Beschäftigung mit undogmatischer marxistischer Theorie immer seltener. Daher war im INFO BUG nach 4 Jahren nur noch von anarchistischen Vorstellungen die Rede." (Binger: 68 selbstorganisiert & antiautoritär, S.25) Das Info-BUG verstand sich als Organ und Mittel der Gegenöffentlichkeit, in dem Berichte, Termine, Aktionen u. ä. der Szene unzensiert veröffentlicht wurden. Zunächst als Stadtzeitung konzipiert, erlangte es schnell überregionale Bedeutung.
Obwohl das Blatt nicht mit einem korrekten Impressum erschien, verstand es sich als legale Publikation. Insbesondere der Abdruck militanter Bekennerschreiben führte aber immer wieder zu Beschlagnahmungen (s. Repression). Über diese Veröffentlichungspraxis kam es zu diversen Auseinandersetzunge. Nach der Verhaftung der Agit Drucker (es waren die einzig fassbaren beteiligten Personen) kam es zur Spaltung der Redaktion. Die Anhänger des bewaffneten Kampfes okkupierten den Titel INFO BUG und gaben die Zeitschrift ab der Nr. 178 (24.10.1977) illegal heraus.
Das ursprüngliche und legale INFO BUG wurde unter dem Titel BUG INFO mit neuer Heftzählung ab Nr. 1001 (5.12.1977) weiter geführt (s. dort).
Trotz dieser Auseinandersetzungen kam es zu der Herausgabe von drei gemeinsamen Ausgaben: Nr. 183 + 1005 (10.1.), 185 + 1007 (30.1.) und 186 + 1008 (so auf den Titelseiten aufgedruckt). Im weiteren Verlauf erschienen die Periodika getrennt als legale (nun BUG INFO ab 1001) und illegale (INFO BUG ab Nr. 178) Publikationen von verschiedenen Redaktionen.
Die Abkürzung BUG wurde von Zeitungsmachern immer wieder mit unterschiedlichen Variationen (oft satirisch) aufgelöst (s. Nebentitel).
Nach der letzten Ausgabe des Infos wurde der Versuch unternommen, dieses als Spuk weiter erscheinen zu lassen. Es ist aber wohl nur ein Heft des "INFO SPUK" Ende 1978 ohne Zählung und Datum erschienen. Das Layout des Info BUG wird für das Titelblatt übernommen. Auf Seite 2 heißt es zum Inhalt: "Wir wollen hier nur mal Themen zur Diskussion stellen, die uns unter den Nägeln brennen. [...] SPUK erschein konspirativ, weil wir aus den letzten Ereignissen um die linke Presse gelernt haben!" Der Artikel "Was zu info und Agit" befasst sich mit diesen Ereignissen.

Repression: Im April 1975 wird die Nr.51 an einigen Vertriebsstellen beschlagnahmt. Ebenso werden 1976 die Nummern 114, 115, 117, 121 u. 123 beschlagnahmt. Die 123 kam nach Beschlagnahmung mit einem roten statt blauen Titelblatt als Nr. 124 heraus (s. INFO BUG 126, S.3). Im Februar / März 1977 werden Verfahren nach § 90a wegen der Ausgaben 143a und 145 eingeleitet. Razzia gegen das Info-BUG 1977; danach Aufruf, "massenhaft zur Herstellung des nächsten Infos" zuröffentlichen Redaktionssitzung zu erscheinen. Dieses Treffen mit ca. 200 Leuten wurde am 23.10.1977 vom Staatsschutz gestürmt. Es gab an die 40 Verhaftungen.
Reprint: Dokumentation: Die Bewegung 2. Juni zur Lorenz-Entführung. Teilrepr. aus Nr.51. - In: Schwarze Texte, S.43-46; Gedanken, die du ohne Worte nicht verstehst . Teilrepr. aus Nr.30. - In: 10 Jahre Archiv, S.91; Gedanken zu Gedanken. Teilrepr. aus Nr.32. - In: 10 Jahre Archiv, S.92; Das Unbehagen mit der RAF. Teilrepr. aus Nr.35. - In: 10 Jahre Archiv, S.73
Standort: IISG Amsterdam: 1973 ff. (?); BdF Berlin: [1].1974, 2-3, 7-9, 11-18, 22-23, 25-30, 33, 35-37, 2.1975, 40-45, 47, 49-62, 64, 69, 71-73, 80-82, 86, 3.1976, 92, 94-96, 99, 101-103, 110, 113, 116, 118, 120-122, 124-134, 136, 4.1977, 140, 143, 143b, 144, 147-153, 156, 158-163, 166-167, 169-179 : SIGN.: A 015; BFU Berlin: 1974 - 1977 = Nr.1-179 (genauer Bestand siehe Pflichtexemplarstelle) : SIGN.: ZVN 535; Degen Berlin: kompl.; SenatsB Berlin: 1974 - 1977 = Nr.1-179 (L) : SIGN.: 4 Zs 3553; FES Bonn: 1975 - 1977 (L) : SIGN.: Z 3095; AFAS Duisburg: 1.1974-156.1977, 158-166.168.170-176.178.179.1977 : SIGN.: 82.III.7; TtE Köln: Nr.1, 9, 14, 17, 20, 22, 29, 35, 41, 44-45, 48, 51, 55 (unvollst.), 89, 93, 95, 99, 103-104, 107-109, 111, 119, 122, 131-136, 138-141, 143, 143b, 144-162, 163, 165-168, 170-171, 173, 179, 187, 189, 191, 194 u. zweisprachige Sonderausgabe zu den Verhaftungen der Agit-Drucker; CIRA Lausanne: 103-104, 190; DBZ Stuttgart: 2.1975,47 - 5.1978,190 (L) : SIGN.: DZ 10
ZDB-Ident.: 8804-3
Literaturhinweise: Binger: 68 selbstorganisiert & antiautoritär, S.386-390, 393-442; Degen: "Die Wiederkehr der Anarchisten", S.240; Dokumentation über das INFO BUG, Berlin 1977; Geronimo (1990), S.35; Geronimo (1995), S.16, 20, 50; INFO Berliner Undogmatischer Gruppen. - In: Zensur contra Gegenöffentlichkeit, S.3-4 (Beilage zu: Was Lefft (1978), Nr.37); INFO für die inhaftierten Agit-Drucker. Berlin, 1977. 24 S.; Info übers INFO. - In: INFO Berliner Undogmatische Gruppen (1977), Nr.179; Jenrich, S.89-90 u. S. 149-154 (S.153: Abbildung der Titelseite von Nr.154, 1977); Projekt Gedächtnis, S.5, 80-90, 119; Schwarze Texte, S.36-37, 39, 125; Weichler: Gegendruck, S.59; 10 Jahre Archiv, S.12; Zur Situation der Menschenrechte, S.121-128; 20 Jahre radikal, S.9-10, 14, 19-21, 184, 186
Bibliographien: Deutschsprachige Bibliographie der Gegenkultur, S.76; Eberlein (1996), Nr.13481; Jenrich, Nr.161
Quellen: Autopsie DadA Köln: Nr.1, 9, 14, 17, 20, 22, 29, 35, 41, 44-45, 48, 51, 55 (unvollst.), 89, 93, 95, 99, 103-104, 107-109, 111, 119, 122, 131-136, 138-141, 143, 143b, 144-162, 163, 165-168, 170-171, 173, 179, 187, 189, 191, 194
Publikationsform: Zeitschrift, Stadtzeitschrift
Libertärer Bezug: Spontibewegung; Autonomie; anarchistische Tendenzen
Bearbeitungsstand: 28.07.2020 | Bearbeiter: gh

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